20.08.2019, Esslingen
Der „Leuchtturm“ weist den richtigen Weg

Das Erfolgsprojekt mit dem Jugendlichen der berufliche Einstieg erleichtert wird, läuft im Landkreis Esslingen. Jetzt werden neue ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren gesucht.

Dass eine 15-Jährige ein Praktikum in einem Kindergarten absolviert, ehe sie womöglich eine Ausbildung zur Erzieherin beginnen möchte, ist nichts Außergewöhnliches. Bei Aisha allerdings war der Weg dorthin aus verschiedenen Gründen nicht ganz so einfach. Aisha stammt aus Syrien und ist, zusammen mit ihren Eltern und vier Geschwistern, als Geflüchtete nach einer Odyssee durch halb Europa 2016 in Esslingen gelandet.

 

Hier galt es zunächst, die neue Sprache zu erlernen und mit der fremden Kultur klarzukommen. Mit wenigen schulischen Vorkenntnissen besuchte Aisha eine Vorbereitungsklasse, wollte aber möglichst rasch in den regulären Unterricht wechseln und ebenso wie die Mitschüler eine berufliche Perspektive für sich entwickeln. Dies alles fiel ihr allerdings nicht ganz so leicht und so kam das Mentoren-Projekt mit dem treffenden Namen „Leuchtturm“ zur rechten Zeit. In Leuchtturm begleiten ehrenamtliche Mentoren junge Menschen, die Hemmnisse unterschiedlicher Art zu bewältigen haben, auf ihrem Bildungsweg. Unterstützt werden sie dabei durch hauptamtliche Fachkräfte von BBQ, regelmäßige Mentorentreffen und Fortbildungen.

 

Die regionale BBQ-Projektleiterin Kathrin Hägele brachte Aisha und die erfahrene Mentorin Elke Schulz zusammen. Seit 2013 engagiert sich die Inhaberin der Beratungsfirma eskomed, für „Leuchtturm“. Die Aufgabe, einem syrischen Mädchen zunächst schulische Hilfestellungen zu geben, stellte aber auch die Unternehmerin vor eine „echte Herausforderung“, wie sie sagt.

 

Schulz holte sich mit ihrer Nachbarin Melanie Tröndle eine ausgebildete Lehrerin in Elternzeit ins Boot, das nun mit professioneller Hilfe den richtigen Kurs einschlagen konnte. Als geeigneten Treffpunkt, den sowohl Aisha als auch Melanie Tröndle mit ihrer kleinen Tochter Greta gut erreichen konnten, boten sich die Räumlichkeiten von BBQ an.

 

Doch Aishas Mutter hatte Bedenken, weil sie solche Abläufe nicht kannte und sie sich zudem Sorgen um das Wohlergehen ihrer Tochter machte. Elke Schulz musste Überzeugungsarbeit leisten und sprach zunächst mit Aishas Vater, der den Wünschen seiner Tochter aufgeschlossen gegenüberstand. Er erkannte zudem die große Chance, die das Leuchtturm-Projekt und die regelmäßigen Treffen bei BBQ boten - und schaffte es schließlich auch seine besorgte Ehefrau zu einem „Ja“ zu bewegen.

 

Für Elke Schulz, der es schon seit vielen Jahren ein großes Anliegen ist, gerade Mädchen und Frauen beruflich zu fördern, begann die eigentliche Mentorinnen-Arbeit damit aber erst so richtig: mit den regelmäßigen Treffen und etlichen weiteren Gesprächen, um weiteres Vertrauen aufzubauen und eine gute Basis für Aishas künftigen Weg zu legen. Die Rechnung scheint aufzugehen. Denn inzwischen stimmen nicht nur Aishas schulische Leistungen, sie hat vor allem an Selbstbewusstsein gewonnen und sich - nach Absprache, aber in Eigeninitiative - die Stelle für ihr Pflichtpraktikum in besagtem Kindergarten besorgt.

 

Elke Schulz, die seit 2015 von der Initiative „FRAUEN unternehmen“ des Wirtschaftsministeriums regelmäßig ausgezeichnet wird, weiß um die Bedeutung dieser vermeintlich kleinen Schritte, nicht zuletzt im Hinblick auf eine gelungene Integration: „Verständnis füreinander zu wecken und dadurch solche Ziele zu erreichen, ist für mich als ehrenamtliche Mentorin eben-so ein tolles Erfolgserlebnis wie es in diesem Fall für Aisha eines ist.“

 

Solche „Erfolgserlebnisse“ wiederum möchte Kathrin Hägele möglichst vielen Jugendlichen bieten. Und die Nachfrage sei groß, gerade in den sogenannten Vorbereitungsklassen, betont sie. „Deshalb sind wir auch ständig auf der Suche nach neuen Mentorinnen und Mentoren, da Leuchtturm nur durch den engagierten Einsatz von Ehrenamtlichen lebt “, fügt die BBQ-Mitarbeiterin hinzu.

 

Info zum „Leuchtturm“
Das Mentoren-Projekt "Leuchtturm", das vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird, gibt es beim gemeinnützigen Bildungsträger BBQ in Esslingen bereits seit  mehreren Jahren. Zurzeit engagieren sich rund drei Dutzend Ehrenamtliche jeden Alters, von der 20-jährigen Studentin bis zum 80 Jahre alten Pensionär. Sie helfen den jährlich nahezu 80 beteiligten Jugendlichen bei schulischen Problemen, aber ebenso bei der beruflichen Orientierung und dem Übergang in die Ausbildung.

Es werden laufend neue Mentoren aufgenommen. Wer sich engagieren möchte, kann sich bei Kathrin Hägele, BBQ Bildung und Berufliche Qualifizierung gGmbH, melden. Informationen gibt es telefonisch unter 0711 310574-24 oder per E-Mail (haegele.kathrin@biwe-bbq.de).