22.05.2018, Pforzheim
Fachkräfte der Zukunft sichern

Die Girl’s Day Akademie will Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern

Bei Rutronik zeigt Rainer Hügin den Schülerinnen, wie sie einen Bausatz richtig zusammenlöten. (rol)

Wie das Löten funktioniert, erklären Josua Reinle (rechts) und Rainer Hügin (links) den Schülerinnen Anja und Annika. (rol)

Vorsichtig zwicken Jule und Leonie (beide 14) bei Rutronik in Ispringen mit einer Zange Drahtreste ab, die an einer grünen Platine überstehen. Wenige Minuten später haben sie ihren Bausatz zusammengesetzt und -gelötet: Ein leuchtendes Männchen, bestehend aus Transistoren, LEDs, Kondensatoren und Widerständen. Zusammen mit neun weiteren Schülerinnen der Otterstein-Realschule, des Hilda- und des Kepler-Gymnasiums nehmen die beiden 14-Jährigen schon seit einigen Monaten an der Girl’s Day Akademie teil.

 

An 30 Ortsterminen bei Unternehmen und Institutionen aus der Region erhalten die Mädchen dabei nicht nur Einblicke in technische Berufe, sondern verbessern auch ihre Soft Skills, unter anderem durch Bewerber- und Teamtrainings und das Erlernen von Präsentationstechniken. Sehr interessant finden Jule und Leonie das, was sie bisher erfahren haben. Man lerne Vieles, das in der Schule nicht behandelt werde, sagt Leonie. Sie interessiere sich für technische Berufe, erklärt die 14-Jährige, und könne sich gut vorstellen, dort später einmal zu arbeiten.

 

Damit ist sie allerdings eher eine Ausnahme: Viele Mädchen würden sich heute immer noch für typische Frauenberufe entscheiden, sagt Sandra Liebschner vom Bildungsträger BBQ, die das von Südwestmetall und Arbeitsagentur geförderte Projekt betreut. Ziel sei es, Mädchen für Studien- und Berufsmöglichkeiten im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich zu begeistern. Technische Berufe böten viele Karrieremöglichkeiten, Aufstiegschancen und Lebensperspektiven, so die Koordinatorin. Mit Hilfe des Projekts könnten die Teilnehmerinnen erste Kontakte zu den Unternehmen knüpfen. Das mache später Vieles leichter, etwa, wenn es darum geht, einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu bekommen.

 

Alle Schülerinnen sind freiwillig und ihrer Freizeit dabei. Sie führen ein Tagebuch, in dem sie die Termine reflektieren und in das sie Bilder einkleben. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat. „Bei Bewerbungen kann man damit Pluspunkte sammeln“, sagt Liebschner. Den beteiligten Unternehmen biete das Projekt Gelegenheit, sich den Nachwuchs der Zukunft zu sichern. Eine Einschätzung, die Julia Kolem, Personalreferentin bei Rutronik, teilt: „Wir finden das ein spannendes Projekt.“ Liebschner sagt, bisher laufe es gut. Die Rückmeldungen von Unternehmen, Schulen und Teilnehmerinnen seien positiv. Eine Neuauflage im kommenden Jahr ist geplant.