Bildungsmesse für ausländische Frauen im Kreis Calw: Viele Wege führen für Migrantinnen zu Jobs

  | BBQ

Drei Anläufe haben der Landkreis Calw mit dem Jobcenter, die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim und das Welcome-Center der IHK Nordschwarzwald genommen, um mit einer Bildungsmesse in Calw ausländischen Frauen, die ihr Heimatland verlassen haben, zu zeigen, wie sie in der Region zu einem Arbeitsplatz oder einer Ausbildungsstelle kommen.

In der über zweijährigen Coronakrise mussten die Erfinder eines Perspektiventags die Premiere verschieben. Doch jetzt klappte das Projekt: In der Calwer Aula informierten sich rund 150 Migrantinnen über vielfältige Förderchancen. Zahlreiche Organisationen berieten an Ständen über Qualifizierungswege, mehrere Vorträge demonstrierten gelungene Beispiele von Eingliederungen in die Berufswelt.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken aus Calw wollte eigentlich ein Grußwort halten. Für sie wäre es nur ein Katzensprung gewesen, bei den ausländischen Frauen in der Aula zu sein. Doch sie brach sich kürzlich einen Fuß und infizierte sich zudem mit Corona. Über Video zugeschaltet, machte sie dem Messepublikum in der Halle nun aus ihrer Wohnung Mut.

Nordschwarzwald bietet gute Chancen auf tollen Job
Für Frauen in der Region Nordschwarzwald gebe es richtig gute Chancen, einen "tollen Job" zu finden, es lohne sich, um Beratungsangebote und Weiterbildungskurse zu wissen, sagte Martina Lehmann, die Chefin der Arbeitsagentur. "Wir haben 6000 offene Stellen in der Region", so Lehmann. Sie schilderte viele Hilfen für den Wiedereinstieg in den Beruf und spezielle Förderwege, darunter auch Deutschkurse. Das Netzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ) zeigte in Calw eine breite Beratungspalette auf. Die Bildungsmesse baue Hemmschwellen für Migrantinnen ab, sagte Lehmann:

"Frauen sollten größer träumen."

Mehrere Sprachen zu beherrschen, sei in der regionalen Arbeitswelt ein Vorteil: "In der wichtigen Tourismusbranche haben wir zahlreiche Gäste aus dem Ausland, einige Betriebe in der Region produzieren für den Weltmarkt und in Pflegeheimen sind mittlerweile auch viele ausländische Personen."

Kreisverwaltung engagiert sich
Doch wie genau sieht es mit Bewerbungen für Jobs aus? Und wie klappt es mit der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen? Begeistert schilderte Lehmann das Beispiel einer 53-jährigen Frau, die China verlassen hatte und nach Pforzheim übergesiedelt war: "Zehn Jahre lang setzte sie beruflich aus, doch jetzt ist sie nach Umschulungen Systemelektronikerin und hat eine tolle Stelle."

Um dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen, engagiert sich auch die Kreisverwaltung. "Wir haben seit dem Flüchtlingsandrang 2015 Netzwerke rund ums Integrationsmanagement aufgebaut und mit Partnern eine Kultur des Abholens entwickelt", so Tobias Haußmann, Leiter der Zentralen Steuerung im Landratsamt. 

"Im Kreis arbeiten wir dafür mit allen Einrichtungen eng zusammen", sagte die Gleichstellungsbeauftragte Sarah Tonhauser mit Blick auf besondere Herausforderungen für Frauen. Zurzeit versucht der Kreis, Geflüchtete aus ukrainischen Kriegsgebieten in Jobs zu bringen.

Neben der Arbeitsagentur, dem Kreis sowie der Industrie- und Handelskammer, die den Perspektiventag federführend aufgezogen haben, beteiligten sich Diakonie, IQ Netzwerk, vhs Calw, vhs Oberes Nagoldtal, Mira, Dekra, Erlacher Höhe, Lernen-Fördern-Arbeit (LFA), Kontaktstelle Frau und Beruf, Familienkasse, Leben.Arbeit.Teilhabe, Bildung und Berufliche Qualifizierung (BBQ), Kreatec und Deutsche Rentenversicherung an der Bildungsmesse.

Autor: Ralf Steinert

Zurück

Zogen in der Calwer aula die erste Bildungsmesse für Migrantinnen auf (von rechts): Michaela Thoma (Welcome-Center der IHK), Gleichstellungsbeauftragte Sarah Tonhauser, Tobias Haußmann (Leiter Zentrale Steuerung) und Martina Lehmann, Chefin der Arbeitsagentur nach einem Vortrag mit Partnereinrichtungen. Foto: Steinert