Fünf Schülerinnen und sechs Schüler haben bei ihrer Abschlussfeier ihre Modellhäuser mit smarten Funktionen präsentiert und über ihre Erfahrungen berichtet, die sie in der Junior-Ingenieur-Akademie (JIA) sammeln konnten.
Was ist der besondere Reiz am Beruf der Ingenieurin und des Ingenieurs? Die Feststellung, dass man nach langem Planen, Bauen und Verbessern, nach dem Kampf mit den Tücken der Technik irgendwann eine Lösung findet. Der Ingenieur setzt sich mit den Fehlern auseinander, sucht neue Lösungen, neue Tricks, verzweifelt manchmal fast, vergisst die Zeit, wirft alles hin, fängt dann wieder neu an, um dann am Ende vor der Erkenntnis zu stehen: Es funktioniert! Elf Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse vom Friedrich-List-Gymnasium konnten jetzt diese Erfahrungen machen. Im Rahmen des von der Agentur für Arbeit und vom Arbeitgeberverband Südwestmetall geförderten und von der Vector Stiftung unterstützten Projekts tüftelten sie das Schuljahr über an Modellhäusern mit Smart-Home-Funktionen.
Nachdem in fünf Teams die ersten Ideen für die Umsetzung gesammelt waren, erhielten sie von ihrem Lehrer, Vitus Baumann, eine Einführung in die Programmierung eines Arduinos. Mit diesem Mikrocontroller sollte die Technik in den Häusern gesteuert werden. Die Modellhäuser wurden aus MDF-Platten gefertigt. Dafür konnten die Teilnehmenden die technische Ausstattung der Schule nutzen und selbständig die gewünschten Projekte umsetzen. Nach und nach wurden die Modellhäuser immer individueller gestaltet und mit unterschiedlichsten technischen Funktionen ausgestattet. Bei einem Besuch bei KI-Makerspace in Tübingen lernten die Teilnehmenden in einem Workshop zum Thema „3D-Design mit Tinkercad“ die Konstruktion einfacher Gegenstände am Computer, so dass im Anschluss alle den 3D-Drucker an der Schule für ihre Modellhäuser nutzen konnten. In den folgenden Wochen wurden Möbel, Halterungen für Motoren und vieles weitere konstruiert und ausgedruckt „Es ist erstaunlich, welche Ergebnisse die Schülerinnen und Schüler innerhalb eines Jahres erreichen können. Mit diesem Projekt begeistern wir den Nachwuchs von morgen für Technik“ sagte Wolfgang Leist von der Südwestmetall Bezirksgruppe Reutlingen.
Ein wichtiger Bestandteil der Junior-Ingenieur-Akademie sind aber auch die Erfahrungen außerhalb der Schule. Bei der Rieber GmbH & Co. KG informierte Thomas Priebe über das Unternehmen und seine Ausbildungsmöglichkeiten. In den Ausstellungsräumen konnten die unterschiedlichsten Produkte aus dem Bereich Küchentechnik besichtigt werden. An einem Praxistag stellten im Anschluss alle Teilnehmenden ein Windlicht her und wurden dabei von Walter Kirschner und seinen Auszubildenden angeleitet. Diesen Termin fand Talip besonders interessant, „da wir da den ganzen Tag gebaut haben“.
Im April erhielten die Jugendlichen von Ralf Heim, dem Leiter des Ausbildungswesens bei der FairNetz GmbH, eine Führung über das Betriebsgelände. Allen wurde dabei bewusst, wie wichtig die Stadtwerke für die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser sind und was es für interessante Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in diesem Zusammenhang gibt.
Danach stellte an einem Nachmittag an der Schule Herr Nädelin vom Berufsinformations-zentrum (BIZ) Ausbildungsberufe und Studiengänge vor, die sich direkt oder indirekt dem Thema „Smart Home“ widmen.
Als letzte Exkursion stand noch ein Besuch bei der Hochschule Reutlingen auf dem Programm.
Prof. Dr.-Ing. Arnd Buschhaus von der Fakultät Technik zeigte den Teilnehmenden die unterschiedlichsten Roboter. Es wurde deutlich, dass es bei der Programmierung auf viele kleine Details ankommt. Auch zwei Studierende führten ihre aktuellen Projekte vor und die Teilnehmenden waren unter anderem, von einem Dart spielenden Roboter fasziniert. Herr Weber führte anschließend durch weitere Labors. Auch im Werk 150, einer Lern- und Forschungseinrichtung der Fakultät NXT – Nachhaltigkeit und Technologie, gab es viel Interessantes zu sehen.
Insgesamt gesehen empfiehlt Ida die Junior-Ingenieur-Akademie weiter, „weil man viele Einblicke bekommt und handwerklich aktiv werden kann“.
Gegen Ende der JIA absolvierten die Jugendlichen noch ein Präsentationstraining beim Bildungsträger BBQ Bildung und Berufliche Qualifizierung gGmbH, der die Junior-Ingenieur-Akademie organisierte und begleitete und zeigten bei der Abschlussveranstaltung stolz, was sie erarbeitet hatten. Der Berufsberater der Agentur für Arbeit, Stefan Nädelin, stellte dabei abschließend fest: „Ein Berufsorientierungsprojekt wie die Junior-Ingenieur-Akademie bedeutet weit mehr als die Suche nach einem Beruf. Es eröffnet jungen Menschen eine Perspektive und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das Projekt weckt Neugier, macht Mut und ermöglicht es eigene Potenziale zu entdecken. Und letztendlich unterstützt es die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler dabei, einen möglichen beruflichen Weg mit Zuversicht zu gestalten.“


